Auftragsverständnis und Vorgehen der „Expertenkommission zur Staatlichen Ballettschule Berlin und Schule für Artistik“

 

Ausgangslage:

Die Ausgangslage der Arbeit der Expertenkommission ist u.a. durch folgende Dokumente gekennzeichnet:

  • Antrag auf Gewährleistung der Fürsorgepflicht vom November 2019 durch 63 Beschäftigte sowie diverse Stellungnahmen
  • Dossier vom 08. Januar 2020 mit Vorwürfen zu Missständen an der Schule und anonymisierten Erklärungen
  • Anträge von Pädagogischen Mitarbeiterinnen an die Gesamtkonferenz vom 22.01.2020 mit namentlicher Unterzeichnung
  • Statement der Schülerschaft vom 27.01.2020, weitergeleitet vom Schülerteam in der Schulkonferenz und vom „Schülersprecherteam“

Auftragsverständnis der Expertenkommission:

  • Prüfung / Aufklärung der Vorwürfe zur Kindeswohlgefährdung, zu Mängeln in der Schulorganisation und Schulkultur und bezüglich der Nichteinhaltung von Vorschriften an der SBB und SfA (soweit sie die Strukturen zur Sicherung des Kindeswohls oder den Umgang mit Kindeswohlgefährdungen betreffen einschließlich des Aspekts der Einhaltung institutioneller Regelungen, z.B. Umgang mit Konferenzen zur Qualifizierung der pädagogischen Arbeit und zur Vermeidung von Fehlentwicklungen)
  • Bewertung des Verhältnisses zwischen tänzerischer sowie artistischer Spitzenausbildung und allgemeiner Bildung
  • Erstellung eines Zwischenberichts zu den Ergebnissen
  • Abschließend Erstellung von Handlungsempfehlungen für Schule, Schulaufsicht und Schulbehörde zu Fragen der organisatorischen Strukturen und Prozesse an der SBB und SfA , insbesondere im Hinblick auf die Sicherung des Kindeswohls

Abgrenzung:

  • Die Expertenkommission selbst prüft und bearbeitet keine Einzelfälle zum Vorwurf der Kindeswohlgefährdung. Anlaufstelle für Einzelfälle ist die eingerichtete „Unabhängige Clearingstelle“. Sie wird ihr von der Clearingstelle vorgestellte anonymisierte Sachverhalte zur Kindeswohlgefährdung in ihre Handlungsempfehlungen einbeziehen.
  • Die Expertenkommission ersetzt nicht und übernimmt nicht Aufgaben der operativen Schulaufsicht. Mögliche Dienstpflichtverletzungen und Nichteinhaltung von Vorschriften sind durch die jeweils zuständigen Stellen der Schulaufsicht und der Dienstbehörde zu bearbeiten.

Themenbereiche:
Im bisherigen Diskurs wurden zahlreiche Vorwürfe formuliert und Themen aufgerufen, mit denen sich die Expertenkommission befassen wird und die mit den folgenden Stichworten ohne den Anspruch auf Vollständigkeit benannt werden sollen. Die Expertenkommission behält sich dabei vor, aufgrund neuer Erkenntnisse weitere Themen zu bearbeiten oder auch Themen zu streichen.

Vorwürfe gegenüber der Staatlichen Ballettschule Berlin und Schule für Artistik, denen die Expertenkommission nachgeht:

 

1.   Kindeswohl und Fürsorgepflicht

  • Gefährdung des Kindeswohls/Physische Belastung
  • Psychischer Druck
  • Diskriminierung
  • Verbale Gewalt
  • „Bodyshaming“
  • Mobbing
  • Gesundheitsgefährdung
  • fehlendes Ernährungskonzept
  • Sexuelle/sexualisierte Grenzüberschreitung

2.  Schulkultur

  • Ungenügende Transparenz
  • Mangelnde Partizipation
  • unzureichende Kommunikation (Kommunikationsformen/ Kommunikationsstrukturen)
  • Autoritäre Leitung
  • „Kultur der Angst“
  • Fehlende pädagogische Qualifikation der künstlerischen Fachkräfte
  • Fehlendes Personalmanagement innerhalb der Schule
  • Unzureichendes Qualitätsmanagement

3.  Einhalten von Vorschriften

  • Mangelnde Einhaltung von Unterrichtsverpflichtungen
  • Mängel in der ordnungsgemäßen Prüfungsdurchführung
  • Fehlende oder fehlerhafte Dokumentation von Gremiensitzungen
  • Defizite im Controlling (auch durch die zuständige Schulaufsicht)/ Qualitätsmanagement
  • Unklarheiten bei Einhaltung AV-Aufnahme/ Einrichtungsverfügung

Vorläufiges Vorgehen der Expertenkommission:

Der folgende Entwurf des Vorgehens der Expertenkommission wird aufgrund aktueller Entwicklungen und  Erkenntnisse sowie Anregungen und Rückmeldungen von Beteiligten ggf. modifiziert werden, um bei den Gesprächen weitere Beteiligte und in die Analyse auch andere Quellen einzubeziehen.

  • Bereits erledigt: Empfehlung an SenBJF, zur Identifizierung und Aufarbeitung von Einzelfällen eine unabhängige Clearingstelle einzusetzen, bei der sich aktuell oder früher Betroffene von Kindeswohlgefährdungen inklusive sexueller Übergriffe melden können und die die Aufarbeitung dieser Fälle übernimmt. Sie ist mit externen Fachleuten zu besetzen und als unabhängig arbeitende Stelle bei der Senatsverwaltung anzusiedeln.
  • Vorstellung der Expertenkommission und Erläuterung der weiteren Arbeitsschritte auf einer Sitzung der Schulkonferenz (26.02., 18:00 Uhr)
  • Gespräche mit den schulischen Gremien GK, GEV,GSV (hierzu Klärung, worum es sich bei der Beschwerde führenden „Betriebsgruppe“ handelt) sowie mit den Mitgliedern der Schulleitung
  • Gespräch mit weiteren Mitgliedern der Eltern- und Schülerschaft, evtl. in Form eines „Townhall-Meetings“
  • Regelmäßiger Austausch mit der Clearingstelle zu anonymisierten Sachverhalten zur Kindeswohlgefährdung
  • Bezüglich des Vorwurfs der Nichteinhaltung von Regeln und Vorschriften sowie des Umgangs mit den Ergebnissen der Schulinspektion: Gespräch mit der Schulaufsicht zu ihrem Umgang mit der Schule (Controlling)
  • Gespräch mit der Leitung und Leitung des Fachbereichs Schulpsychologie des zuständigen SIBUZ sowie weiteren Beratungskräften an der Schule im Hinblick auf Empfehlungen für die Implementierung eines angemessenen pädagogischen und psychologischen Beratungs- und Unterstützungsangebots an der Schule
  • Überprüfung der Einrichtungsverfügung im Hinblick auf mögliche im System angelegte problematische Strukturen (Aufnahme, Versetzung, Abgang von Schüler/innen und Verhältnis von allgemeiner und künstlerischer Bildung sowie zur Internatsbetreuung)
  • Sichtung der angeforderten Daten und Informationen zu den Themenbereichen Personal/Kinderschutz/Unterrichtsentwicklung/Partizipation/Finanzen (siehe Anhang)
  • Klärung von Fragen zur Personalhoheit an der SBB/SfA (Auswahl und Einstellung von Lehrkräften, Weisungsberechtigung bzw. Vorgesetztenfunktion)
  • Analyse der Verantwortungs- und Kontrollstrukturen in der SBB/SfA und bezogen auf die SBB/SfA
  • Klärung von Fragen zu den Einstellungsvoraussetzungen, zur pädagogischen Qualifikation und zur Fort- und Weiterbildung des künstlerischen Personals
  • Überprüfung des Umgangs mit den Ergebnissen der Schulinspektion (2015) – Schulprogrammentwicklung und Qualitätsmanagement
  • Erstellung von Empfehlungen

Die Kommission trifft sich vorerst wöchentlich zur Vor- und Nachbereitung der Gespräche und zur Auswertung der Unterlagen.